Romane Kinderbücher Weitere Publikationen Leseproben News & Termine Links & Kontakt

Die Braut aus Byzanz


Hundert Jahre nach dem Tod jenes Karls, den sie im Westen den Großen nennen, weil es ihm gelungen war, ihre zankenden Stämme zu einen, wurde im Zeichen des Schützen ein neuer Herrscher geboren, der es ihm gleich tun wollte: Otto, aus dem Hause der Sachsen. Mit der den „Kindern des Feuers„ eigenen Zielstrebigkeit befriedete er das Reich im Innern, behauptete es gegen Außen, gegen die Slawen, die Ungarn, und als in der Mitte unseres Jahrhunderts, dem zehnten nach Christi Geburt, der italienische Thron einer jungen Witwe zufiel, eroberte Otto auch sie mit seiner Entschlossenheit. Karls Vorbild folgend zog er ins Alte Rom, wo der Papst ihn zum Kaiser des Westens salbte.

Die Sehnsucht aber, die Otto nach dem Stand der Gestirne von Geburt an erfüllte, war damit nicht gestillt, und wenn er Karl an Weisheit unterlegen war, übertraf er ihn doch an Ehrgeiz. Das Reich, das der Heilige Konstantin vor sechshundert Jahren geteilt hatte, wollte Otto – dessen Vorväter mit dem Schwert erst zum Christentum bekehrt werden mussten – wieder zusammenfügen. Er schickte Gesandtschaften an unseren Hof, um eine kaiserliche Tochter für seinen Sohn zu werben, auf dass im Blut seiner Nachkommen Ost und West wieder vereint werde.

über die mangelnde Ehrerbietung der ersten Delegation empört, forderte Kaiser Nikephoros Rom und Ravenna im Austausch für eine purpurgeborene Prinzessin, wohl wissend, dass ihm die Perlen unter den italienischen Städten nicht überlassen würden, und schickte die Bittsteller, gedemütigt und der Spionage bezichtigt, nach Hause zurück. Nikephoros´ Nachfolger aber, unser Kaiser Johannes, noch neu auf dem Thron, erkannte mit der Zweigesichtigkeit des Zwillings in Ottos Begehr die Möglichkeit, den Streit um die Gebiete im Süden Italiens aufzuschieben, bis er ihn zu seinen Gunsten entscheiden konnte, und einigte sich mit den erneut Entsandten. So geschah es, dass im neunhundertzweiundsiebzigsten Jahr nach Erscheinen des Herrn ein kleiner Zug von Hofleuten Konstantinopel verließ, um die Nichte des Kaisers Johannes in den Westen zu begleiten. Otto, den sie nun gleichfalls den Großen nennen, sollte seinen Sohn mit einer Prinzessin unseres Hofes verheiraten, sein kühnster Pfeil ins Schwarze treffen. Die Sonne schien dem kaiserlichen Schützen ins Gesicht, und er sah die Schatten nicht, die sich in seinem Rücken sammelten. (Seiten 7-8)


Im Heerlager

Vor Rom, Anfang April 972


Vier Tage nach ihrer Ankunft im Heerlager der Franken kommt Gero in Theas Zelt. „Der Kaiser wünscht Euch zu sehen.„

„Der Kaiser?„ Sie hat damit gerechnet, dass man sie in einen Wagen setzt und nach Konstantinopel zurückschickt. Geros Gesicht ist ernst. Will man sie erniedrigen, bevor man sie wegschickt, beschimpfen? Thea überlegt, ob sie ein einfacheres Kleid anziehen, die Pfauenohrringe abnehmen soll. Soll sie sich demütig zeigen? Aber auch der Kaiser der Franken wird einen Entschluss, den er einmal gefasst hat, nicht widerrufen.

„Ich komme.„ Thea streicht das grüne Seidenkleid glatt und fährt sich mit dem Elfenbeinkamm durchs Haar. Hinter Gero geht sie über den Platz zum Zelt des Kaisers, vor dem zwei Wachen stehen. Während Gero die Plane zurückschlägt, atmet Thea ein und hebt den Kopf. „Vergiss nie, woher du kommst und wer du bist„, hat ihr Onkel beim Abschied gesagt.

Otto steht neben seinem Vater. Auf dessen Geheiß trägt er sächsische Kleidung: Hemd und Wams, Beinbinden und einen Umhang, der auf der rechten Schulter mit einer silbernen Spange geschlossen ist. Otto hat sich geschnitten, als er die Stoppeln an seinem Kinn mit seinem Messer abzurasieren versuchte; wenn er das Gesicht verzieht, spürt er die Wunde. Hinter ihm haben sich die Leute des Hofes aufgestellt, der Kanzler, der Marschall, der Kämmerer, Kapläne, Notare, Schreiber.

Gero hält die Plane auf, und Thea betritt das Zelt. Es ist mit braunen Teppichen ausgelegt, Waffen liegen herum, auf einem Tisch sind Landkarten ausgebreitet. In der Mitte zwischen den Zeltpfosten steht der rotgesichtige Kaiser vor einer Gruppe von Leuten. Es muss sein Hofstaat sein, sie tragen kurze Mäntel, haben Stoffstreifen um ihre Beine gewickelt, wie Landarbeiter. Gero neben ihr sagt etwas, das sie nicht versteht. Unwillkürlich wandert Theas Blick über die Gesichter der Wartenden – da: der schwarze Schopf.

Otto starrt auf das Mädchen, das im Zelteingang steht. Es trägt ein glänzendes, grünes Kleid, und es hat schwarze Haare – das ist nicht das blonde Kind in dem Goldrahmen ...

Thea geht auf die Wartenden zu. Der Kaiser sagt etwas in einer gurgelnden Sprache. Warum steht sein Sohn nicht an seiner Seite, sondern zwischen den anderen Hofleuten hinter ihm?

„Der Kaiser der Franken heißt Euch willkommen„, übersetzt Gero. Thea verbeugt sich dreimal, wie sie es gewohnt ist. „Auch im Namen seines Sohnes Otto„, fährt Gero fort, und der Junge neben dem Kaiser neigt den Kopf. Sein Kinn ist blutverschmiert. Ist dieser bleiche, rothaarige Knabe der Sohn des Kaisers? Thea sucht nach dem dunklen Schopf in der Menge, doch da wird die Zeltplane hinter ihr wieder aufgeschlagen.

„Die Kaiserin„, flüstert Gero und tritt zur Seite. Thea dreht sich um. Vor ihr steht eine hochgewachsene Frau. Ihr blondes Haar wird von einem einfachen Netz zusammengehalten, auch ihr Kleid ist schmucklos, aber ihre Haltung ist die einer Herrscherin – und sie hat die blauesten Augen, die Thea jemals gesehen hat. Unwillkürlich verneigt sich Thea vor ihr. Die Frau geht wortlos an ihr vorbei und stellt sich neben den rothaarigen Jungen, legt den Arm um seine Schulter, zieht ihn an sich.

Otto spürt die Hitze in seinen Wangen. Der Arm der Mutter liegt wie ein eiserner Ring um seine Schultern. Sein Vater spricht, Gero übersetzt. Die Prinzessin antwortet auf Lateinisch. Ihr Mund ist schmal, nicht geschwungen. Seine Mutter flüstert ihm etwas ins Ohr.

Thea spürt die blauen Augen auf sich, während sie dem Kaiser antwortet. Sie hat sich nie überlegt, dass ihr Bräutigam auch eine Mutter hat. Die Frau ist schön, aber die Art, wie sie den rothaarigen Jungen umschlungen hält, weckt ein unangenehmes Gefühl in Thea, als schaue sie etwas Unanständigem zu.

Nachdem der Kaiser fertig gesprochen hat, beginnt Gero, Thea die Mitglieder des Hofstaats vorzustellen, den Kanzler, den Marschall, den dicken Kämmerer. Einer nach dem andern tritt vor und verneigt sich vor Thea. Und da ist auch der dunkle Schopf.

„Prinz Otto„, sagt Gero. Der junge Mann aus dem Rosengarten lächelt sie an. „Ein Vetter Eures Bräutigams.„

„überstanden!„ Otto wirft sich aufs Bett.
„Und gefällt sie dir?„ Sein Vetter setzt sich auf die Kleidertruhe neben ihn.
„Nun ja„, der Sohn des Kaisers betastet sein Kinn. „Sie ist besser als erwartet.„ Er denkt an das Kindergesicht in dem goldenen Rahmen.
Konstantin schlüpft zum Zelt herein und springt auf den ausgestreckten Arm von Ottos Vetter.
„Wann bist du eigentlich nach Italien zurückgekommen?„, erkundigt sich Otto.
„Deinem Vater scheint sie auf jeden Fall zu gefallen„, meint sein Vetter, ohne die Frage zu beantworten.
„Und ob.„ Otto grinst. „Meine Mutter wollte sie ja gleich wieder wegschicken, weil sie die falsche ist. Und sie hat ihn angeschrien„, fügt er hinzu.
„Wer? Deine Mutter?„
„Nein, die Prinzessin„, erklärt Otto. „Sie hat meinen Vater angeschrien und ihn zu ihrem Zelt rausgejagt.„
„Ehrlich?„ Nun grinst auch der Vetter.
„Sie kann kein Deutsch„, meint Otto nach einer Weile besorgt.
„Sie wird Deutsch lernen.„ Der Vetter streicht sich das Haar aus der Stirn.
„Ich hoffe es.„ Otto seufzt.
Wieder herrscht eine Weile Schweigen. Konstantin hat sich auf der Schulter seines Meisters niedergelassen.
„Wie heißt sie?„, fragt Otto auf dem Bett.
„Theophanu.„
„Theophanu„, wiederholt er.
„Thea„, meint der andere Otto leise.


Thea kann nicht schlafen. Der Kaiser der Franken hat sie nicht nach Konstantinopel zurückgeschickt, am Sonntag nach Ostern wird sie gekrönt und seinen Sohn heiraten – obwohl sie keine Purpurgeborene ist. Sie sollte sich freuen. Doch sie wird nicht die einzige Kaiserin sein. Keinen Blick wechselte ihre zukünftige Schwiegermutter mit ihr. Sie hielt nur immer ihren Sohn, den bleichen Jungen mit dem zerschnittenen Kinn, und flüsterte ihm ins Ohr. Ein Wort davon verstand Thea, es war dasselbe, das die Soldaten bei ihrer Ankunft im Heerlager riefen: „die Griechin.„ So nennt man sie hier. Ob auch der junge Mann aus dem Rosengarten sie so nennt? Thea schließt die Augen und versucht sich sein Gesicht vorzustellen, die braunen Augen.
(Seiten 50 – 54)

Warnungen

Sankt Gallen und Reichenau, August 972

„Der Löwe war krank.„
„Er ist der König der Tiere, und alle anderen Tiere besuchten ihn –„
„– außer dem Fuchs.„
„Der Bär klagte den Fuchs an, und der Löwe verurteilte ihn zum Tod.„
„Doch der Fuchs hört davon und ersinnt eine List.„
„Er kommt mit einem Bündel zerrissener Schuhe zum Löwen, so dass der über ihn lachen muss, und dann erklärt der Fuchs, er habe die ganze Welt nach dem besten aller ärzte durchwandert –„
„– und dieser habe ihm gesagt, nur das Fell des Bären könne den Löwen heilen.„
„Dem Bär wird das Fell abgezogen, der Löwe wird gesund, und der Fuchs verspottet den pelzlosen Bären.„
„Sehr gut!„ Otto nickt, die Schüler strahlen.
„Und was will uns die Fabel lehren?„, fragt der Schulmeister Geraldus, der eilig von seinem hohen Stuhl herunterstieg, als Otto und Ekkehart das Schulzimmer betraten. Die Jungen schauen betreten auf ihre Pulte. Geraldus greift nach der Rute auf seinem Tisch.
„Heute gibt es keine Schläge„, erklärt Otto und betrachtet die gesenkten Köpfe.
„Aber gnädiger Herr, wie sollen die Buben denn etwas lernen?„, entgegnet Geraldus aufgebracht.
„Der Stock ist nicht der einzige Lehrmeister„, gibt Ekkehart zu bedenken. „Als ich noch am Hof des Kaisers unterrichtete ...„
„Es ist mein Wunsch, dass die Schüler heute nicht geschlagen werden„, unterbricht ihn Otto, und es klingt wie ein Befehl.
Geraldus macht eine kleine Verbeugung. „Es ist uns eine Ehre, den Wunsch des jungen Kaisers zu erfüllen„, meint er unterwürfig. Einige der Jungen heben die Köpfe, und Otto zwinkert ihnen zu.
„Was will uns die Fabel lehren?„, fragt er nun selbst. Die Schüler schweigen. Otto greift nach der Rute. „Wer hat die Fabel geschrieben?„
„Paulus„, murmelt es irgendwo in der Klasse.
„Paulus Diaconus„, bestätigt Otto. „Und wer war Paulus Diaconus?„
„Ein Mönch„, sagt einer der Jungen.
„Ein Lehrer„, meint ein anderer.
„Ein Dichter.„
„Und wo hat er gelebt?„, fragt Otto weiter.
„In einem Kloster.„ – „In Italien.„ – „Am Hof von Pavia„, rufen die Jungen durcheinander.
„Sehr gut„, lobt Otto.
„Wie Eure Mutter„, wirft einer der Knaben vorlaut ein.
„Richtig.„ Otto schmunzelt. Er kann sich vorstellen, wie Geraldus vor ihrer Ankunft mit den Schülern über sie gesprochen hat, den Kaiser, seine Mutter, ihn selbst, und für einen Augenblick ist er versucht zu fragen, was der Schulmeister ihnen über die junge Kaiserin erzählt hat.
„Paulus Diaconus war auch Lehrer an der Hofschule Karls des Großen„, wirft Ekkehart ein.
Otto schiebt den Gedanken an Thea beiseite. „Und darum hat er die Fabel sicher nicht nur zum Spaß geschrieben„, fährt er fort. „Was also will er uns damit sagen?„
Die Schüler sind wieder verstummt.
„Vielleicht fällt Euch jetzt etwas ein.„ Otto hält die Rute mit beiden Händen hoch und zerbricht sie. Ein Raunen geht durch das Schulzimmer, Geraldus schnappt hörbar nach Luft, einige der Knaben beginnen zu kichern.
„Dass man sein Fell verliert, wenn man andere anklagt„, sagt der vorlaute Junge.
Otto nickt.
„Dass man sich mit einer List aus einer schwierigen Situation retten kann„, meint ein anderer.
„Oder wenn man die Leute, also ich meine die Tiere, zum Lachen bringt„, erklärt der neben ihm.
„Und was ist mit dem Löwen?„ Otto blickt sich im Schulzimmer um.
Zwei Knaben stoßen sich gegenseitig an.
„Was meinst du?„ Otto deutet auf den einen.
Der Junge läuft rot an. „Der Löwe merkt nicht, dass der Fuchs ihm etwas vormacht.„
„Und er bestraft den Bären, obwohl der eigentlich gar nichts Falsches getan hat„, meint der Knabe neben ihm.
„Aber er will ihn ja nicht bestrafen„, widerspricht ein anderer Schüler. „Er will gesund werden.„
„Er wird ja auch gesund.„ – „Obwohl der Fuchs alles nur erfunden hat.„ Die Schüler reden durcheinander.
Geraldus hebt drohend die Hand.
„Und was sagt uns das über den König der Tiere?„, will Otto wissen. Einen Augenblick herrscht Stille.
„Er ist nicht sehr klug„, meint einer der Schüler endlich.

„Die Schüler werden sich ihr Leben lang an diese Lektion erinnern„, schmunzelt Ekkehart, als sie aus dem Schulhaus kommen. „Ihr wärt ein guter Lehrer geworden.„
„Ich habe gute Vorbilder gehabt„, entgegnet Otto und sieht, wie das Gesicht des alten Mönches aufleuchtet.
„Ihr werdet auch ein guter Vater sein„, sagt dieser.
Otto zuckt die Schultern. Während er im Schulzimmer stand, hat er sich tatsächlich überlegt, wie es wäre, wenn einer dieser Jungen sein Sohn wäre.

„Die Gerber„, meint Ekkehart entschuldigend, als er den üblen Geruch bemerkt, der ihnen entgegen weht. Vor dem Scriptorium steht ein Karren; Novizen laden Bündel von Pergamenten ab. Die Gerberei, in der Fett und Fellreste von den Tierhäuten abgekratzt werden, bevor man sie in Kalk und Dung eingräbt, liegt am westlichen Rand des Klostergeländes neben den Schweineställen, am umgeleiteten Arm eines Baches. Doch der Gestank hängt auch am Karren, in den Kutten, den Haaren und an der Haut der Männer, die dort arbeiten. Otto befühlt die weichen, weißen Pergamente, die noch im Wagen liegen. Wie viele hundert Lämmer werden für ein einziges Buch geschlachtet?

„Kommt.„ Ekkehart führt ihn ins Haus hinein. Sie gehen an den Tischen vorbei, auf denen die Pergamente nachgeschliffen, vermessen, zugeschnitten und liniert werden. Otto betrachtet das Durcheinander von Federn, Federmessern, Radiermessern, Tintenfässern auf den Pulten der Mönche. An den Plätzen der Zeichner liegen Pinsel, Farbschälchen, Mörser, Putzlappen, Bimssteine. Die Vorlagen stehen auf Ständern neben den Pulten, so nahe, dass die Malenden den Kopf kaum drehen müssen, und neben ihnen stapeln sich Bücher mit Schriftmustern, Vorlagen. Otto erinnert sich, mit welcher Ehrfurcht er als kleiner Junge durch das Scriptorium ging; die schreibenden Männer kamen ihm wie Zauberer vor.

Der Boden ist von Pergamentschnitzeln übersät, auf denen die Mönche Schriftzüge und Farbtöne ausprobiert haben, den Schalen der Eier, die sie zum Binden der Farbpulver brauchen, und den Spitzen und Federn, die sie von ihren Kielen schneiden. Manche der Schreiber nicken Otto und Ekkehart zu, andere sind so in ihre Arbeit vertieft, dass sie die Besucher nicht bemerken. Außer dem Schneiden und Kratzen der Federn ist kein Laut zu hören. Die besten Schreiber und Zeichner sitzen an den Fenstern, die jüngeren, unerfahreneren arbeiten in der Mitte des Raums, wo das Licht schlechter ist. Dort sitzen auch die Korrektoren, die die geschriebenen Seiten überprüfen, und auf manchen ihrer Pulte brennen schon Talglichter.

„Hier hinauf„, flüstert Ekkehart. Otto würde gerne noch länger in der Schreibstube bleiben. Er mag die wachsame Stille, in der jeder für sich und doch am gleichen wie alle arbeitet, und er beneidet die Männer um ihre Kenntnisse, ihre Geschicklichkeit – sie würden sich von keinem listigen Fuchs etwas vormachen lassen. Die Treppe führt von der Schreibstube in die Bibliothek. Die Bücher werden im oberen Stock aufbewahrt, weil es dort trockener ist. Im ersten Moment steht Otto überwältigt vor den langen, dicht gefüllten Regalen.

Als er vor Jahren mit seinem Vater hier war, zeigte der Bibliothekar ihnen die Bibel, die Alkuin Karl dem Grossen schenkte, das Alte und das Neue Testament in einem einzigen Band, auf 836 Seiten. Der Elfenbeindeckel eines anderen Buchs soll Karl dem Großen als Schreibtafel gedient haben, als er in hohem Alter das Schreiben erlernen wollte. Kostbar verzierte Bücher wurden ihnen vorgelegt, manche aus der Zeit des Heiligen Gallus, der mit Columban aus Irland gekommen war, um die Bewohner der Gegend zum Christentum zu bekehren. Otto erinnert sich an die Seite eines Buchs, die von einem breiten, gelb und rot verzierter Balken in zwei Hälften geteilt wurde, rechts standen kurze Textzeilen, links floss ein Gespinst von Linien über das Pergament, in dem er Füße erkannte, einen Bauch, einen Kopf mit einem geöffneten Maul, aus dem eine Zunge ragte, die sich in Schlaufen und Bögen im Körper des Tieres verloren. Erst als der Bibliothekar ihn darauf aufmerksam machte, entdeckte er, dass der Balken und der Körper des Drachens zusammen den Buchstaben q ergaben.

„Kennt Ihr das?„ Ekkehart zieht einen kleinen, abgegriffenen Band heraus. Ars grammatica steht auf dem Buchrücken.

Otto grinst. „Natürlich.„ Es war das erste Buch, das er besaß. Zwei Schüler unterhalten sich darin über die Regeln der lateinischen Grammatik. Franco, der Franke, ist jünger, Saxo, der Angelsachse, älter, kundiger, und wenn auch er nicht weiter weiß, greift der Magister ein. Als Knabe wunderte sich Otto, wie rasch Franco alles begriff. Er selbst musste Saxos Antworten immer wieder lesen, bis er sie verstand.

„Und das hier?„ Ekkehart hält Otto einen anderen Band hin. Disputatio de rhetorica et de virtutibus – Abhandlung über die Rhetorik und die Tugenden. Darin bittet Karl der Große Alkuin, ihn in der Kunst der Beredsamkeit zu unterweisen, und am Schluss des Buches erklärt der Gelehrte dem Kaiser, wie diese mit den vier Kardinaltugenden, Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigkeit verbunden ist. Jeder von Ottos Lehrern hat das Kapitel mit ihm durchgenommen, denn ein guter Herrscher muss diese Eigenschaften besitzen. Eine Weile lang konnte Otto ganze Abschnitte davon auswendig, jetzt fällt ihm kein einziger Satz mehr ein. Neben dem Band über die Rhetorik steht der über die Dialektik, die dritte Säule des Triviums, das ein Schüler zum Verständnis der Sprache beherrschen muss.

„Auch das wird Euch bekannt sein„, meint Ekkehart und hält ihm einen Band mit den Schriften Alkuins über das Quadrivium hin, in dem die vier anderen freien Künste besprochen werden.
Otto verzieht den Mund. „Ich hab die Rätsel darin nie verstanden„, gesteht er.
„Ich auch nicht„, meint Ekkehart nachdenklich, und beide brechen in Gelächter aus.
„Ich hab so viel auswendig gewusst, und nun ist alles weg„, bedauert Otto, wieder ernst.
„Das meiste sitzt noch in Eurem Kopf„, beruhigt ihn sein alter Lehrer. „Wenn Ihr es braucht, wird es wieder auftauchen.„
„Das Einzige, was mir von all den Schulstunden geblieben ist, sind die Geschichten – wie Aeneas seinen alten Vater auf dem Rücken aus dem brennenden Troja hinaus trägt, wie er seine Gefährten verliert, Italien erobert, wie er am Schluss Rom gewinnt.„
„Vielleicht werdet Ihr Rom selbst eines Tages zu Eurer Hauptstadt machen„, meint Ekkehart.
„Und Osten und Westen wieder vereinen?„, fragt Otto höhnisch.
„Warum nicht? Oder Euer Sohn wird es tun.„
„Wenn ich je einen Sohn haben werde.„ Ottos Blick fällt auf ein rot gebundenes Buch, auf dessen Rücken Metamorphoseon steht.
„Daran erinnere ich mich auch noch. Gut sogar.„ Erfreut zieht Otto den roten Band aus dem Regal und beginnt darin zu blättern.
„Der Verwandlungen von Ovid.„ Ekkehart nickt.
„Jupiter, der die Gestalt eines Stiers annimmt und Europa davon trägt. Der selbstsüchtige Narziss, der zu einer Blume an einem Bachufer wird. Echo, die geschwätzige Nymphe, die sich in ihn verliebt und zum Schluss nur noch ein Widerhall ist.„
„Und Pygmalion, dessen Statue lebendig wird„, fügt Ekkehart hinzu.
Otto weiß, worauf der Mönch hinaus will. „Nur dank der Göttin Venus„, wendet er ein.
„Dank der Liebe„, berichtigt ihn sein Lehrer und hebt den Zeigefinger wie früher im Unterricht. Otto seufzt. Wie soll er die Liebe der Prinzessin gewinnen?
„Hier, das wollte ich Euch zeigen.„ Ekkehart nimmt ein Buch, das auf einem Tisch zwischen den Regalen liegt. Es scheint neu und die Seiten knistern ein wenig, als Otto es aufschlägt. „Einer unserer jüngeren Mönche hat es geschrieben„, erklärt Ekkehart.
Es ist ein Psalter. Otto erkennt die lateinischen Verse auf der linken Seite, und rechts – er versucht die Worte zu entziffern.
„Was ist das?„
„Die Psalmen auf Lateinisch und auf Deutsch.„
Otto spricht die Worte auf der rechten Seite aus; sie sind tatsächlich Deutsch.
„Und wem soll das nützen?„, fragt er verwundert.
„Denen, die kein Lateinisch können, und denen, die es nicht mehr so gut können.„
Otto vergleicht die deutschen Verse mit den lateinischen. Natürlich: montes heißt Berge, fulgora Blitz. Etwas von dem, was er gelernt hat, ist tatsächlich noch in seinem Kopf.
„Ich dachte, es könnte Euch nützlich sein, und der junge Mönch, der es geschrieben hat, wäre sicher geehrt, wenn das Buch in Eurem Besitz wäre. Und dann„, Ekkehart greift nach einem anderen Buch auf dem Tisch, „wenn Ihr im Lateinischen wieder sicher seid, könnt Ihr es damit versuchen.„
Er schlägt den Band auf, und Otto sieht, dass auch in diesem Texte nebeneinander stehen. In eleganten Schlaufen reihen sich die griechischen Zeichen aneinander. Ekkehart streckt ihm das Buch hin, und Otto kann nicht anders, als es zu nehmen.
„Könnte ich auch das haben?„, fragt er nach einer Weile und deutet auf die Metamorphosen des Ovid.
„Das ist ein sehr wertvolles Buch„, Ekkehart runzelt die Stirne, „aber ich glaube, der Abt wollte Euch um einen kleinen Gefallen bitten, solange Ihr hier seid, und gewiss wird er einverstanden sein, Euch den Band zu schenken, wenn Ihr ihm entgegenkommt.„
Otto stellt sich vor, wie er Irene von der hochmütigen Arachne erzählen wird, die zu einer Spinne schrumpft, der stolzen Niobe, die zu Stein erstarrt, und von Venus, die zum hellsten Stern am Himmel wird, weil sie ihrer Liebe folgt.
(Seiten 161- 169)

Heimlichkeiten

Aachen, Sommer 973

Man sah sie aus der Stadt hinausreiten, an diesem und anderen Nachmittagen in diesem Sommer in Aachen. Zuerst waren sie zu dritt, dann begleitete sie eine schwarzhaarige Frau auf einem Halbblüter: Irene. Meinen Zuträgern entging wenig. Vier junge Leute, die sich in den schattigen Wäldern vergnügten, Herrin und Zofe, der Kaiser mit einem Freund. Es ließ sich nichts dagegen einwenden, auch wenn es zu Zeiten Ottos des Großen nicht vorgekommen wäre; und Thea war glücklich, zum ersten Mal.

Die Hitze goss eine schläfrige Ruhe über den Hof. Adelheid und ihre Frauen blieben in ihren Zimmern. Ich verdöste meine Tage in der Kühle der Keller, erklomm, wenn es dunkel wurde, das Dach der Pfalz. Mächtig wand sich der Drache über den Himmel des Nordens, bewachte die goldenen äpfel der Töchter der Nacht. Die leuchtende Kassiopeia stieg auf, die Arme klagend erhoben, von Andromeda, ihrer unschuldigen Tochter, gefolgt, an einen Felsen gefesselt die Prahlsucht der Mutter büßend, wäre nicht Perseus, das schlangenhaarige Medusenhaupt in der Hand, in seinen geflügelten Schuhen erschienen, um sie vor dem Rachen des Walfischs zu retten. Mit selbstgefertigten Zirkeln begann ich die Karten neu zu erfinden, die ich im Feuer von Quedlinburg verloren hatte. Schicht um Schicht grub ich aus meiner Erinnerung das einmal Gewusste, folgte dem kriechenden Gang des Skorpions über den südlichen Horizont. Den ganzen Sommer lang warb ich um die verlorene Freundschaft der Sterne, auf dass sie mir das Bevorstehende erneut offenbarten.

„Der eifersüchtige König aber begrub seine Frau auf der einen und ihren Geliebten auf der anderen Seite der Kirche. Doch Efeu spross aus den beiden Gräbern, wuchs an der Kirche empor und vereinigte sich auf dem Dach.„
Sie sitzen am Waldrand im Schatten der Bäume.
„Und deshalb„, schließt Irene, „verheißt Efeu Treue und Unsterblichkeit.„
Aus den ästen über ihnen fliegt ein Vogel auf, und Thea versucht sich vorzustellen, was er sieht: die ausgebreitete Decke mit ihren Bechern, Wein, Brot, vier Menschen, die im Moos ringsum lagern, die Männer in leichten Hemden, die Frauen mit offenem Haar, Geschichten erzählend.
„Und der Farn?„, erkundigt sich Otto medius und streift über eins der gefiederten Blätter. Der kleine Otto sitzt neben ihm.
„Der Farn ist voller Geheimnisse„, erklärt die Zofe. „Er blüht nur in der Johannisnacht, und wem es gelingt, seinen Samen aufzufangen, der hat Glück in all seinen Unternehmungen.„
Thea spürt einen leichten Krampf in ihrem Leib. Die Blutung begann später diesmal; sie ist nicht schwanger.
„Woher weißt du das alles?„, will der kleine Otto wissen. Er wird Mathilde immer ähnlicher mit dem fast schulterlangen Haar, der Helligkeit in seinen Augen.
„Von meiner Mutter„, gesteht Irene verlegen. Thea erinnert sich an die Töpferin in dem Grubenhaus.
„Zudem soll Farn unsichtbar machen„, fährt Irene fort. Sie trägt die silberne Kette, die Thea ihr in Ingelheim geschenkt hat, nun offen über ihrem Kleid.
„Das könnte ganz nützlich sein„, meint Otto medius. Thea wirft ihm einen Blick zu, aber er schaut in die Ferne. Ab und zu gelingt es ihnen, sich allein in den Ställen zu treffen, auf den Ausritten die anderen hinter sich zu lassen, für einen Kuss, eine Umarmung, einen gestohlenen Augenblick. Manchmal denkt Thea, Otto me müsste Wege finden, ungestört mit ihr zusammen zu sein, so gewandt wie er in allem andern ist. Sie sieht die Weichheit in den Zügen des kleinen Ottos, wenn er Irene betrachtet. Die Frau, mit der ein Mann zum ersten Mal schläft, behält eine Macht über ihn, sagte Irenes Mutter. Empfand er das Gleiche für ihre Zofe wie sie für Otto me? Wäre es möglich –
„Und er schützt vor dem Teufel„, unterbricht Irene ihre Träumereien.
„Dann kann uns hier ja nichts geschehen.„ Otto medius streckt sich zwischen den Farnen aus. Das Hemd spannt sich über seinen Oberkörper, und Thea schaut weg.
Eine Weile schweigen die vier. Die Sonne wirft grüne Schatten durch die Kronen der Bäume.
„Dennoch„, meint der kleine Otto und erhebt sich mit einem Ruck, „müssen wir zurück, denn niemand schützt uns vor unseren Pflichten.„
Irene beginnt, das Brot, das sie nicht gegessen haben, zusammenzupacken, den Wein, der noch in den Becher ist, in den Lederschlauch zurückzufüllen. Auf einen Pfiff von Otto medius erscheint Konstantin aus dem Unterholz. Thea überlegt, was sie tun muss, wenn sie in der Pfalz zurück ist. Seit der Ankunft von Ottos me funkelt ihr Leben; alles fällt ihr leicht.

„Die Augsburger schreiben: ‚An unseren ...´„
„Ich kann selbst lesen.„ Otto nimmt Willigis den Brief aus der Hand. Seine Mutter bestand darauf, dass er sechsjährig nach der Krönung in Aachen das Recht bekam, unabhängig vom Vater Urkunden auszustellen. Stundenlang hörte Otto als Kind Schreibern zu, die ihm Briefe vorlasen.
„Ich dachte, sie wollten Werinhar als Nachfolger von Ulrich?„ Ottos Augen gleiten über die Zeilen.
„Das scheint nicht der Fall zu sein„, meint Willigis. „Sie erwähnen ihn mit keinem Wort.„
Otto lässt den Brief sinken. Hatte seine Mutter doch recht gehabt?
„Was sollen wir tun?„ Die Unterhaltung mit seinem Vetter fällt ihn, das Versprechen, den Augsburgern den Bischof zu geben, den sie wollten.
„Es ist nicht zu empfehlen, bei der Wahl eines Bischofs die Wünsche der Stadt zu übergehen, schon gar nicht in Bayern.„
Otto erinnert sich an die Verhandlungen um die Neubesetzung des Regensburger Bischofsstuhls. Sein Vater ließ nicht locker, bis sie mit Wolfgang einen Nachfolger fanden, der in der Stadt willkommen war.
„Ist die Ernennung schon geschrieben?„, erkundigt sich Otto.
„Ja.„
„Dann müssen wir sie ändern„, bestimmt Otto.

„Und das hier?„ Thea zieht ein Pergament aus dem Bündel auf Willigis Pult. Seit sie fast jeden Tag ausreiten, kommt sie nicht mehr so regelmäßig in die Kanzlei.
„Das ist eine Abschrift der Ernennung des Nachfolgers von Ulrich von Augsburg„, erklärt der Kanzler.
Thea liest, hält inne: „Ich dachte, der Abt von Fulda würde das Amt übernehmen, nicht dieser ...„
Willigis schüttelt den Kopf. „Der Kaiser hat seine Meinung geändert, auf Wunsch von ...„
Thea hört nicht zu.

„Warum hast du ihr nachgegeben?„
„Wem?„ Der kleine Otto sitzt seinem Vetter gegenüber vor dem Schachtbrett.
„Deiner Mutter.„ Thea hält die Abschrift der Urkunde in der Hand.
„Meiner Mutter?„ Er hebt den Blick nicht vom Spielbrett.
„Bei der Ernennung des Bischofs von Augsburg.„
„Matt!„ Der kleine Otto lacht.
Otto medius lehnt sich zurück. „Hoffnungslos„, meint er.
„Ich musste so oft gegen meinen Vater spielen„, erklärt der kleine Otto.
Thea stampft zornig mit dem Fuß, die jungen Männer wenden sich zu ihr.
„Was ist mit dem neuen Bischof?„, fragt der kleine Otto.
„Du hast diesen ... diesen ...„, sie schaut auf die Abschrift, „Heinrich von Greisenhausen ernannt.„
„Nein!„ Otto medius fährt hoch, die letzten Figuren auf dem Spielbrett kippen um. „Du hast doch gesagt –„ Sein Gesicht ist mit einem Mal grau.
„Die Augsburger wollen ihn„, verteidigt sich der junge Kaiser. „Ich kann nicht gegen den Wunsch der Stadt, nicht in Bayern ...„
„Die Augsburger? Das ist doch nicht wahr!„ Otto medius´ Stimme zittert.
„Doch.„ Der kleine Otto versucht sich an den Wortlaut des Briefes zu erinnern.
„Die Augsburger sagten, du wolltest Heinrich.„ Otto medius schreit beinahe. „Deshalb haben sie mich hierher geschickt.„
„Sie haben dich geschickt„, wiederholt Thea leise.
Otto medius hört sie nicht. „Aber als du dann sagtest, sie bekämen den Bischof, den sie sich wünschten, dachte ich, du hättest deine Meinung geändert.„
„Ich habe„, Otto verstummt.
„Du hast den falschen zum Bischof ernannt„, stellt Thea fest.
Sie schweigen.
„Wann wurde die Ernennung ausgestellt?„, fragt Otto medius dann.
Thea blickt auf die Abschrift: „Vor sechs Tagen. Sie ist bereits in Augsburg.„
„Dann muss man den Augsburgern mitteilen, dass es ein Versehen war, ein Fehler„, meint Otto medius mit tonloser Stimme.
„Der Kaiser macht keinen Fehler.„ Die drei drehen sich um, Adelheid steht hinter ihnen, mit zwei Hofdamen.
„Aber er wurde getäuscht„, entgegnet Thea zornig.
„Wer sollte ihn täuschen?„ fragt Adelheid gelassen. Die Gesichter der Hofdamen verziehen sich spöttisch.
Thea spürt, wie sich die eisblauen Augen in sie bohren. „Seine Mutter!„
„Was fällt dir ein, du Schlange. Den alten Kaiser hast du hinters Licht führen können, aber mich nicht. Du hast dir mit deiner griechischen Schläue einen Platz an unserem Hof ergattert, und nun gebierst du nicht mal einen Sohn.„
Der kleine Otto blickt auf das Schachbrett.
„Und Ihr haltet nicht zu Eurem Sohn„, sagt Thea, erstaunt über ihre eigene Ruhe. „Wenn ich Wolfgang von Regensburg nicht gebeten hätte, in Worms für ihn zu sprechen –„
Der kleine Otto hebt den Kopf.
„Du wirst deiner Frau verbieten, sich in die Angelegenheiten des Hofs einzumischen„, befiehlt Adelheid, die blauen Augen nun auf den Sohn gerichtet.
„Die Ernennung –„, beginnt Otto medius.
„Und Ihr überlasst die Ernennungen gefälligst dem Kaiser„, unterbricht ihn Adelheid.
Der kleine Otto öffnet den Mund, doch bevor er etwas sagen kann, fährt seine Mutter fort: „Der Bischof von Augsburg ist ernannt. Das steht fest, und mit dir„, sie wendet sich an Thea, „werde ich auch noch fertig.„
Adelheid dreht sich auf dem Absatz und verschwindet, gefolgt von ihren tuschelnden Hofdamen.
„Wer ist dieser Heinrich von Greisenhausen überhaupt„, fragt Thea nach einem Moment der Stille.
„Ein Neffe von Judith von Bayern„, erklärt Otto medius.
„Ein Freund von Dietrich von Metz„, fügt der kleine Otto hinzu.
„Den kenn ich nicht„, wundert sich Thea.
„Er ist dir sicher schon aufgefallen„, erklärt Otto medius. „Er hat rote Narben auf dem Kopf. Von einer Verbrennung.„
(Seiten 299 – 305)