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Seit zehn Jahren lebe ich nun in dem Haus an der Ostküste Irlands. Das Dach ist Iängst wieder dicht und der Garten von Brombeeren befreit.
Aber noch immer stoße ich auf die Spuren der beiden Frauen, die vor mir hier gelebt haben, die eine zu Beginn, die andere in der Mitte des
Jahrhunderts, und ich frage mich, wie sehr ihr Schicksal dem meinen glich.
Siebzehnter Juni
Als es hell wurde, floß das Wasser schon durch das Gras. Eine Gruppe von Männern kam aus dem Zwielicht der Stämme. Sie lassen das Tal kleiner
erscheinen und fremd. Sie waten durch die versunkenen Wiesen. Keiner von ihnen schaut zum Haus hinauf, und sie halten die Stangen lose, wie
zufällig, in den Händen. Während ihre Blicke die überschwemmten Ufer absuchen, reden sie miteinander.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich das Tal zurn ersten Mal sah. Wir hatten auf der Landstraße angehalten. Da war die Türe, waren zwei Fenster
in einer grauen Wand, eine schmale Brücke führte von der Straße zum Haus. Das Haus war zu klein. Der Makler machte sich am Schloß zu schaffen.
Als die Türe aufging, traf uns das Licht. Immer wieder, wenn später Besucher kamen, und, noch bevor die Begrüßung beendet war, zum Fenster
drängten, mußte ich daran denken, wie ich selbst an jenem ersten Tag, taub für die Bemerkungen der anderen, durch den staubigen Flur auf
das Licht zuging.
Unter dem Haus lag ein grüner Teppich, ein See - ich kann es nicht beschreiben. In meiner Erinnerung blieben, geblendet von einer Sommersonne,
die Umrisse einer blühenden Wiese. War der Bach hinter dem Unkraut wirklich zu sehen?
Das Wasser glitzerte. Ein Pfad führte durch das Dickicht den Hang hinab. Auch die Freundin des Maklers war endlich verstummt. Ich stand allein
in der Sonne neben der Kastanie. Noch heute sehe ich mich in jenem Moment, meine Gestalt ein wenig vage in dem geblümten Sommerkleid, jünger
sicherlich, und ganz deutlich das hohe Gras ringsum, die Schatten des Baumes. Ich weiß, daß die Kastanie damals nur ein Strunk war, ich weiß,
daß sie erst Jahre später wieder blühte.
Heute scheint es, als wäre ich gleich zu Beginn schon sicher gewesen. Es gibt ein Foto, auf dem die Freundin des Maklers auf der Brücke vor
der Haustüre steht. Sie trägt einen weißen Hosenanzug, eine Sonnenbrille, und ihr Mund ist verwischt. Ich weiß nicht, wer die Aufnahme an
dem Nachmittag machte und warum die blonde Frau darauf ist, aber es ist das erste Bild von unserem Haus, und wir kauften es noch am
selben Abend. (pp. 6-8)
Am Anfang glaubte ich, wir sähen das Glitzern im Bach, weil wir fremd waren, weil wir das Tal gefunden hatten. Wir waren seinem Zauber erlegen
im Eifer, unsere Wahl zu rechtfertigen. In der Nacht, bevor wir einzogen, träumte ich, das Haus stehe in einem Wald. Es war ein Winterwald
mit glatten grauen Stämmen, Laub am Boden in mattem Licht. Ich wußte im Traum, daß die Sonne das Haus niemals erreichen würde, und wenn die
Kronen der Bäume sich im Frühjahr füllten, würde es noch dunkler und feuchter als jetzt. Warum hatte ich den Wald nicht bemerkt, bevor wir
das Haus kauften!
In den ersten Monaten schauten wir kaum aus den Fenstern. Wir schlugen den Verputz von den Zimmerdecken und froren in unseren Jacken. Am Abend
saßen wir zwischen zugedeckten Möbeln vor dem Kamin. Wochen waren vergangen, in denen Alexander kein einziges Mal an seiner Untersuchung
gearbeitet hatte. Die Entzündung an meinem Arm heilte langsam. In Alexanders Haaren klebte grauer Staub. Seine Finger kratzten, wenn er
mein Gesicht in seinen Händen hielt. Mit welcher Gewalt wir uns das Haus zu eigen machten. Wenn ich im Dunkeln die Treppe zur Küche
hinunterging, wartete ich darauf, ertappt zu werden, wie ein Dieb, den die Schatten mit Schrecken bestrafen. Aber ich war auch voller
Neugier. Hinter der Tapete im Schlafzimmer neben der Küche fanden wir Striche und Namen. In der Abstellkammer unter der Treppe lagen
Werkzeuge, ein Glas mit rostigen Nägeln und eines mit Öl. Ich dachte, ich würde das Haus mögen lernen wie einen alten Menschen, der
sich nicht mehr ändern kann, und meine Anteilnahme würde beweisen, daß ich hierher gehöre. Wir stießen auf Büchsen und Flaschen an
seltsamen Orten, auf Zigarettenstummel in den Kaminen, und in dem kleinen Raum oben gleich neben der Haustüre lehnte ein Stapel
gestanzter, ungefalteter Schachteln hinter einem Schrank. Alexanders neue Treppenstufen knackten unter meinen Schritten, das Haus
selbst blieb still, wie das Wrack eines Schiffes auf dem Meeresgrund. (pp. 14)
Wir haben miteinander geredet. Natürlich habe ich Dir nicht alles gesagt, was ich in Gedanken mit Dir besprach. Aber wir haben geredet, und
später haben wir uns geschrieben. Zuerst fiel das Schreiben mir schwer. Es waren nicht die Worte, die wir sonst gebrauchten: Lieber Cathal,
viele Grüße, Deine Kitty. Ich versuchte mir vorzustellen, wie Du meine Briefe last. Das entfaltete Blatt in Deinen Abendhänden, gerötet vom
Waschen, die Gelenke geschwollen. Wenn das Papier zwischen Deinen Fingern rutschte, verschwammen die Worte vor Deinen Augen.
Am Morgen wartete ich auf die Schritte des Briefträgers. Manchmal hörte ich, wie er sein Fahrrad an das Geländer lehnte, das Klappern der
Lenkstange an den Eisenstäben, das Knirschen der Reifen auf dem Sand. Nein - das war zu leise, aber ich weiß, wie es klingt. Ich hörte seine
Schritte auf der Brücke vor dem Haus. Ich dachte, ich müßte spüren, ob er einen Brief von Dir brachte. Während ich die Treppe hinauflief,
rechnete ich mir vor, warum es unwahrscheinlich war. Aber dann war ich doch enttäuscht.
Einmal erzähltest Du Deirdre, Du träumtest jede Nacht den gleichen Traum: Es war Mittag auf dem Bau, und Du kehrtest hastig in Dein Zimmer
zurück, um zu sehen, ob Post gekommen war. Ich hätte Dich gerne gefragt, was Du zu finden hofftest. Aber ich tat es nicht. Früher meinte ich,
Du müßtest Sehnsucht spüren, Verzweiflung wie ich, und eines Tages würden wir herausfinden, daß es die gleiche war. Die Kruste zerbräche,
und im Innern würdest Du mich genauso vermissen wie ich Dich ... und wenn Du es auch selbst nicht wußtest, und wenn es auch zu spät war.
Es schien so schwer zu glauben, daß Du mit anderem zufrieden warst, daß Du taube Stellen hast, wo ich Schmerzen empfinde. Einer liebt immer
mehr, sagte Polly in jenem ersten Sommer. Das hätte mir nichts ausgemacht, wäre ich sicher gewesen, daß Du es auch hättest sein können.
Ich gewöhnte mich an die geschriebenen Worte. Es war einfacher manchmal, mit Deinen Antworten in meinem Kopf. Ich schrieb Dir alles mögliche,
während ich im Haus und Garten arbeitete. Lieber Cathal ... jeder Gedanke begann damit. Lieber Cathal: Aber dann stand es doch nicht in den
Briefen, die ich am Abend in die Umschläge steckte. So wenig blieb von den Tagen zurück. Warum fliegen die Vögel nicht fort? Das endlose Warten.
Wärst Du in den ersten Jahren hier gewesen, hätten wir uns jeden Abend gesehen. Wir hätten gemerkt, daß wir nicht zueinander paßten. Wir wären
auseinandergegangen - oder wir hätten uns aneinander gewöhnt. Die Trennung hat uns nicht bestärkt, Cathal, sondern getäuscht. Und wenn Du
zurückkamst ...
Der erste Moment war stets der beste, wenn Du auf dem Steg durch die Zollschranken kamst mit den suchenden Augen, dem Lächeln. Das Lächeln
rann heiß über mein Gesicht. Wie konnte das Lächeln lügen? Aber es verblaßte über die Tage, trotz der guten Vorsätze. Zum Schluß war ich
erleichtert, wenn Du wieder gingst, nach all den Fragen, dem Erk lären. Du wolltest wissen, wo Deine kleine Säge hing, wie viel vom Dünger
geblieben war und wer die Wohnzimmertüre zerkratzt hatte. Jedesmal, wenn Du eines der Kinder erblicktest, fragtest Du, wohin es gehe.
Deirdre lachte, als Du ihr verbieten wolltest, zu Mahons zu gehen. Fergus blieb zu Hause. Ich hatte eine Liste mit Sachen, die ich mit Dir
besprechen wollte. Aber ich zerknüllte sie, bevor wir alles beredet hatten . Deine Ungeduld Cathal, die ganze Zeit schwelte sie wie Feuer
im nassen Laub, ich spürte sie, roch sie, und beim nächsten Windzug konnten die Flammen in die Höhe schießen.
Das Leben ließ sich nicht aufschieben, Cathal, bis Du Zeit hattest. Ich kannte Dich aus meinen Träumen, und wenn Du dann hier warst, bliebst
Du mir fremd. Die Weihnachtstage zogen sich hin, am Abend gingst Du ins Dorf, aber auch darüber redeten wir nicht mehr. Wir vermieden gewisse
Themen: Mahons Laden, die Reparatur des großen Holztores, Deine Abreise. Es scheint unnötig, uns die kurze Zeit damit zu vergällen.
Nach jener Weihnacht sprachen wir nicht mehr über die Buben. Daß Du den Vorfall selbst nie erwähntest, konnte nur bedeuten, daß Du noch immer
zornig warst. Und vielleicht wollen sie auch nichts anderes, als in einer Scheune Motoren flicken. Am Abend ins Wirtshaus gehen. Die Abdrücke
in Patricks Gesicht sind deutlicher geworden. Sein Mund ist schief, als grinse er. Die Leute im Dorf verwechseln die beiden nicht mehr.
Fergus schweigt, wenn einer von ihnen ihn anfährt, und er schleift tagelang an den Blechen, die sie ihm geben. Irgendwann sprachen wir auch
nicht mehr über die Zukunft.
(pp. 193-197)
Wenn Matthew am Abend am Tisch seine Papiere aus der Brusttasche nahm, lagen nun manchmal Banknoten dazwischen. Am Tag darauf waren sie wieder
verschwunden. Seit er mit dem Bau des Turmes begonnen hatte, redeten sie kaum noch miteinander. Er hatte andere Zuhörer gefunden. Sie hörte ihn
mit den Männern reden, und es schien ihr, sie habe ihn nie verstanden. Die Männer lachten. Sie wagte nicht, ihn nach seinen Absichten zu fragen.
So viel hatte sich in ihrem Kopf angesammelt, Sätze voller Zorn, Verzweiflung, Befehle und Bitten, Erklärungen, mit denen sie ihn überzeugen
wollte. Wie sollte sie seine Antwort ertragen, ohne von dem Verschwiegenen überschwemmt zu werden. Alice schrieb: «... und wenn der Menschen
Bosheit so groß war in ihrem Dichten und Trachten, darum reute es ihn, und er beschloß, die Welt zu vernichten.» Sie fragte Matthew, ob er noch
mehr Suppe wolle. Er schüttelte den Kopf, und sie füllte ihren eigenen Teller nach. Brida kam nicht auf den Gedanken, das Geld gehöre ihm, bis
er mit dem Bau des Hauses begann. Es waren keine Beete, kein neuer Zaun gewesen auf der Rückseite der Briefumschläge. Er schrieb Zahlen neben
die Linien. Gab es einen Moment, in dem sie begriff, was er plante? Oder sagte er es? Er nannte es «das Haus», als gäbe es kein anderes Haus,
als hätte er stets gewußt, daß er es bauen würde. Er beugte sich über die Zeichnungen auf dem grauen Papier, das er mit sich herumtrug. Mit
beiden Händen mußte er die Ränder der Bögen auf der Tischplatte glattstreichen. Wenn er wieder aufblickte, konnte sie das Grau der Pläne in
seinen Augen sehen. Seine Stirne war runder geworden unter dem dünneren Haar. Hätte ein Fremder sagen können, wie alt er war? Matthew ließ die
Bögen los, und sie rollten sich mit leisem Knistern zusammen wie ein Insekt. Er war zufrieden. Er steckte die Pläne in die Rollen zurück, und
seine Augen sahen sie nicht.
(pp. 168f)
Alice schrieb: «Einer aber fand Gnade vor ihm, und er sagte: Ihn will ich retten.» An dem Abend verstand Brida mit einem Schlag, daß Matthew
das Haus wirklich bauen würde. Sie hatte die Zeichnungen gesehen, ihn darüber reden hören, und auch im Dorf sprachen die Leute davon, und doch
hatte sie es nicht geglaubt. Der junge Mann deutete auf die Pfähle, die aus der Wiese ragten. Alice schrieb; «... dreihundert Ellen lang, dreißig
Ellen hoch, und Fenster soll es haben und eine Türe ...» Die Gesten des Unbekannten waren gelassen, und er neigte den Kopf ein wenig, als könne
ihm niemand widersprechen. Sie wandte sich zum Herd, legte Holz nach, füllte den Kessel auf. Als sie wieder hinausschaute, war der junge Mann
verschwunden. Am nächsten Tag begannen sie, die Fundamente auszuheben. Brida wunderte sich, wie alles zusammenkam, die Arbeiter, das Werkzeug
und der Frühling, in dem es kaum regnete. Sie beobachtete die Wolken über dem Tal, schwer und grau trieben sie von Westen heran , und manchmal
verharrten sie für Tage über den Wiesen. Aber erst in der Nacht klatschten die Tropfen aufs Dach. Wenn Brida am Morgen hinauskam, war der Hof
naß, und in der Baugrube standen Pfützen. Sie versickerten, bevor die Männer kamen. Sie arbeiteten jeden Tag. Manchmal schickte Matthew einige
zum Turm hinauf, um ihn neu zu füllen, das Feuer zu unterhalten oder den Kalk wieder auszugraben. Da war der Steinbruch bereits erschöpft.
Matthew ließ Kalkstein aus anderen Gruben kommen und brannte ihn. Aber er war nur noch selten dabei. Sobald er die Tiere versorgt hatte,
stieg er den Hang hinauf, und dann sah sie ihn zwischen den Arbeitern mit einem Pickel, einem Schubkarren voll gelber Erde oder abseits mit
dem jungen Mann. Fast jeden Tag entdeckte sie den gelockten Schopf. Es fiel ihr schwer, den Blick von ihm abzuwenden, und als er Michael zum
ersten Mal hereinbrachte, zitterten ihre Hände. Die Bäume waren noch kahl, da ragten schon Mauerstümpfe aus der Grube. Es ging so schnell.
füllten die Mauern mit zerbrochenen Backsteinen. Erst mit der Zeit begriff sie, daß es die Reste der Backsteine waren, die das Feuer im Turm
zersprengte. Für die Schalen gebrauchten sie das Geröll, das vom Felsen übriggeblieben war, kleine, krumme Steine, die sie mit zuviel Mörtel
zusammenfügten. Michaels Finger strichen über die feuchten Mauern. Die Arbeiter beachteten ihn nicht, aber seine Blicke folgten ihnen, und
es schien ihr, sie führten seine Befehle aus. Sie erfuhr nie, ob er wirklich die Pläne für das Haus gezeichnet hatte.
Sie meinte noch lange, das Haus könnte wieder verschwinden. Eines Morgens, nach einem heftigen Regen, wären die Mauern fort, der Sandhaufen, die
Gerüste, und der Hang wäre grün wie zuvor. Bevor der Holunder seine Blätter entfaltete, fingen sie mit dem Dachstock an. Brida sah die hellen
Balken durch die knospenden Zweige. Zu zweit trugen die Arbeiter sie in den Rumpf des Hauses. Dann sah sie ihre Köpfe über den Mauern, ihre
gekrümmten Rücken; sie bewegten sich langsamer, als laste die Luft dort oben schwer er auf ihnen. Vielleicht hielten sie die Nägel im Mund wie
Stecknadeln, während sie hämmerten. Nach dem Abendessen ging Matthew noch einmal den Hang hinauf. Er stand mit verschränkten Armen vor dem Haus
und betrachtete es. Auch sie versuchte sich vorzustellen, wie es aussehen würde. Aber die Wände wölbten sich vor ihren Augen, bauchig wie
Schiffsplanken, und das Dach blähte sich im Wind. Es war kein richtiges Haus.
(pp. 171-173)
An manchen Tagen gehe ich wieder dem Ufer entlang bis zum Ende des Grundstücks. Auf dem Rückweg steht das Haus hoch über dem Tal. Es gehört nicht
wirklich hierher mit seinem glatten Dach wie ein Segel im Himmel, den vermessenen Fenstern und seinen wechselnden Gesichtern, dem schäbigen,
demütigen zur Straße hin und dem hochmütigen, das auf den Bach hinabblickt.
In Alexanders Zimmer hängt eine Computerliste mit den Namen der früheren Bewohn des Tals, manche sind mit Klammern verbunden, andere durchgestrichen.
Als Alexander fort war, entdeckte ich unsere eigenen Namen darauf. Er sagte: Die Geschichte hängt an den Orten, und ich dachte an das Feuer in den
Dornen, die Fußtritte im feuchten Grund. Unser Leben fließt wie Wasser über die Schwellen des Bachbetts und durch die Buchten des Tals und wirft
dieselben Wellen, dreht sich in denselben Strudeln wie das Wasser davor. Die Scheune ist leer und voller Licht. Die Briefe sind in den Fluten
verschwunden. Nur auf dem Sims der Dachluke liegt noch der Kopf einer Gipsfigur. Ich habe sie nie zuvor gesehen. Es ist ein Frauengesicht mit
einem Kranz gelockter Haare, ihre Augen und ihr Mund sind wie zum Hohn mit grellen Farben bemalt.
Ich habe die Treppe noch einmal repariert, obwohl ich die Zimmer im oberen Stock nicht mehr benutze. Ich schlafe ruhig, und in meinen Träumen rennt
das Tier über die überwucherten Hänge des Tales, Manchmal denke ich an die Jahre, die wir hier zusammenlebten, an Alexanders Gestalt am Bach unten,
als er noch die Sträucher schnitt oder mit dem Schubkarren über den Hof ging. Sein blondes Haar wurde heller im Verlauf des Sommers. Die Bilder bleiben.
Es war nicht sein Rücken am Fuß der Treppe und wohl auch nicht der des alten Mannes. Ich versuche, die Leere unter mir zu spüren, nach dem Splittern
der Stufen, und dann einen scharfen Schmerz. In diesem Augenblick, heißt es, rinnt alles, was wir gesehen haben, noch einmal an uns vorbei, und
vielleicht auch das, was wir uns nur vorgestellt haben.
Am Tag nach der letzten Überschwemmung stand ich am Küchenfenster. Es war ein klarer Morgen, und zwischen den Weiden hing ein weißer Nebel. Der Himmel
darüber war farblos wie vor Sonnenaufgang. Der Bach strömte aus der Wiese in sein Bett zurück. Der Stein in der Böschung ragte ein Stück weit heraus,
und das Wasser wölbte sich in einer flachen Woge vor ihm, floß an seinen Seiten dahin. Der helle Himmel spiegelte sich in der Strömung, und ich hatte
das Gefühl, sie trage etwas davon. Ich glaube, im nächsten Winter werde ich den Eisvogel sehen.
(p. 218 -222)